Wasserball Saisonfinale in der Oberliga Männer
Die letzten beiden Oberliga-Spieltage standen für die Lok-Männer unter ungünstigen Vorzeichen. Mehrere Stammspieler fehlten, und allgemein war die Mannschaft etwas zusammengeschrumpft. Trotzdem wollte man die verbleibenden vier Partien nicht abschenken, sondern nochmal um Punkte kämpfen und die Saison vernünftig zu Ende bringen.
Am 7.6. fuhren die Görlitzer Männer nach Leipzig, um sich dort mit den Gastgebern und zuvor mit dem Team aus Chemnitz zu messen.
SV Lok Görlitz – SC Chemnitz 10:22 (1:7, 2:7, 4:3, 3:5)
Die staubedingt dreistündige Anreise steckte den Görlitzern noch in den Beinen oder in den Köpfen. Kaum hatte das Spiel begonnen, so war Chemnitz schon auf 3 zu 0 davongezogen. Die Südwestsachsen hatten im Vorfeld mit einem Sieg gegen Halle II bereits Selbstvertrauen getankt und wirkten von diesem Spiel nicht erschöpft, sondern eher beflügelt. Sie nutzten ihre körperliche Überlegenheit aus, und die Schiedsrichter ließen dies weitgehend laufen, sodass es insbesondere den jungen Görlitzer Spielern schwerfiel, gegenzuhalten. Mit den Viertelergebnissen von 7:1 und 7:2 für Chemnitz war die Begegnung bereits vor der Halbzeit entschieden.
Lok fand erst nach dem Seitenwechsel richtig ins Spiel und konnte immerhin das dritte Viertel für sich entschieden. Doch insgesamt war Chemnitz überlegen und gewann auch den Schlussabschnitt, obgleich die letzte Aktion den Görlitzern gehörte. Mit 22 zu 10 revanchierte sich Chemnitz für die Niederlage im April im Görlitzer Neiße-Bad. Für Lok ein herber Rückschlag im Kampf um Platz 5, weil Chemnitz nun aus eigener Kraft die Görlitzer noch überholen konnte.
SV Lok Görlitz – SC DHfK Leipzig 16:18 (3:5, 5:1, 6:6, 2:6)
Für das zweite Spiel machte sich Lok keine allzu großen Hoffnungen auf einen Punktgewinn. Die ersatzgeschwächte Mannschaft war durch einige Blessuren aus dem ersten Spiel nicht mehr bei einhundert Prozent. Auf der Gegenseite konnte Leipzig mit 14 Spielern aus dem Vollen schöpfen. Im Hinspiel war der Sieg für die Messestädter mit 30 zu 9 mehr als deutlich ausgefallen. Doch nicht zum ersten Mal in dieser Saison war folgendes Phänomen zu beobachten: manchmal zeigt die Görlitzer Mannschaft ihre besten Leistungen, wenn sie befreit aufspielen kann.
Es entwickelte sich ein munterer Schlagabtausch (teilweise auch wortwörtlich), bei dem die Görlitzer zwar abermals körperlich im Nachteil waren, aber dennoch zu eigenen Chancen und Toren kamen. Das erste Viertel ging mit 5 zu 3 an Leipzig, das zweite mit 5 zu 1 klar an Lok. Somit wurden mit einer 2-Tore-Führung für Görlitz die Seiten gewechselt. Angesichts des offenen Spielergebnisses wurden die Leipziger im und außerhalb des Wassers erkennbar nervöser und versuchten die Görlitzer mit einer aggressiven Pressverteidigung weit weg von ihrem Tor zu halten. Dass auf beiden Seiten zu wenige Fouls geahndet wurden, tat dem Spiel nicht gut. Zumindest in einer Hinsicht waren sich beide Mannschaften einig: das Spiel entglitt den Unparteiischen komplett. Kurz nach Beginn des vierten Viertels wollten die Schiedsrichter dann doch mal ein Zeichen setzen und verwiesen einen Leipziger Spieler nach zwei verhältnismäßig harmlosen Aktionen des Wassers. Dennoch bleibt die Kritik, dass insbesondere die vielen Kopftreffer über die gesamte Spieldauer deutlicher hätten bestraft werden müssten.
Zurück zum wesentlichen Geschehen: die Führung für Lok bestand noch lange, bis in die Schlussminuten. Doch einigen Schlüsselspielern in der Görlitzer Defensive drohte die dritte Rausstellung. Knapp fünf Minuten vor Ende war es dann leider so weit, dass zunächst Thomas Fischer, zwei Minuten später auch Paul Schubert das Wasser mit ihrem dritten persönlichen Fehler das Wasser verlassen mussten. Und dies genau in der entscheidenden Phase, in der Leipzig bereits ausgeglichen hatte und das Spiel komplett offen war. Letztendlich waren es die Messestädter, die den entscheidenden Treffer zum 17 zu 16 erzielten. Lok versuchte zwar nochmal zurückzukommen, doch eine unberechtigt genommene Auszeit zerstörte alle Hoffnungen. Leipzig hätte hier ein Strafwurf in der Schlussminute zugestanden, doch stattdessen griffen sie zu dem taktischen Mittel, auf den Strafwurf zu verzichten und die verbleibenden 20 Sekunden herunterzuspielen. Lok hatte so keine Chance mehr, an den Ball zu kommen, und mit der Schlusssirene kassierten sie sogar noch den Gegentreffer zum 16:18-Endstand.
Ein unglückliches Ende für aufopferungsvoll kämpfende Görlitzer. Insgesamt war es eine starke Leistung, die in Bestbesetzung spielenden Leipziger solange geärgert zu haben, doch am Ende stand Lok trotzdem wieder ohne Punkte da. Positiv hervorzuheben an diesem Spieltag: eine ordentliche Überzahlquote und eine 100%-Strafwurfquote.
Es spielten: N. Hänisch, G. Domschke, S. Förster, P. Schubert, T. Fischer, J. Herzog, O. Kubitz, R. Funk, A. Eichner, V. Großmann
Nur sechs Tage später stand der finale Oberliga-Spieltag für das Lok-Team an. In Halle/Saale traf man zunächst auf die Gastgeber und anschließend auf den Tabellenführer SV Vogtland Plauen.
SV Lok Görlitz – SV Halle II 14:18 (4:5, 4:2, 3:4, 3:7)
Lok fand in den Anfangsminuten überhaupt nicht in die Partie und lag schnell mit 0 zu 3 zurück. Doch der Anschluss gelang schnell, vor allem mit einfachen Centertoren über Kapitän Steffen Hänisch. So schrumpfte der Rückstand nach einem torreichen ersten Viertel auf nur 4 zu 5. Der zweite Abschnitt entwickelte sich zur besten Görlitzer Phase in diesem Spiel. Lok drehte die Partie und führte zur Halbzeit mit 8 zu 7. Bis Mitte des dritten Viertels wurde die Führung sogar ausgebaut. Der gefährlichste Hallenser Centerangreifer leistete sich seinen dritten persönlichen Fehler und durfte nicht mehr mitwirken. Den folgenden Strafwurf verwandelte Sebastian Förster zu einer stolzen 11:8-Führung. Nach dieser Aktion schienen die Görlitzer Chancen auf einen Sieg sehr groß zu sein. Doch es passierte das Gegenteil: ab diesem Moment drehte Halle erst richtig auf und wirkte frischer. Görlitz war – genauso wie beim vorherigen Spieltag – auch diesmal nur mit zehn Sportlern angereist. Das machte sich jetzt deutlich bemerkbar, denn die Kräfte schwanden. Und man leistete sich zu viele Rausstellungen und Stürmerfouls. Der Vorsprung schmolz dahin und vor dem letzten Anschwimmen stand es 11 zu 11 unentschieden. In der Viertelpause erinnerte man noch einmal daran, dass fünf Görlitzer mit zwei persönlichen Fehlern vorbelastet waren. Wenn man dieses Spiel noch gewinnen wollte, musste man sich unbedingt ein paar Wechselmöglichkeiten bewahren. Zumindest dieses Vorhaben gelang annähernd – mit zwei Auswechselspielern beendete man die Begegnung. Im Wasser hatte Lok dennoch das Nachsehen. Mitte des Schlussviertels zog Halle entscheidend davon und gewann am Ende mit 18 zu 14. Insgesamt war es aus Görlitzer Sicht nahezu eine Kopie des Leipzig-Spiels: zwischenzeitlich hatte man geführt, aber am Ende fehlten die Kräfte.
SV Lok Görlitz – SV Vogtland Plauen 8:28 (1:9, 2:8, 1:5, 4:6)
Zum Abschluss wartete der bis dato ungeschlagene Tabellenführer aus Plauen. Von Beginn an war hier ein Klassenunterschied zu sehen. Die Vogtländer bewiesen, dass sie ihre Erfahrungen aus vielen Jahren Bundesliga noch nicht verlernt hatten. Schwimmen – abstoppen – Platz vom Gegenspieler verschaffen – fangen – werfen – Tor. Die Görlitzer konnten teilweise gar nicht so schnell schauen, wie der Ball im eigenen Kasten einschlug. Es stand 3 zu 17 zur Halbzeit. Zugute kam dem Lok-Team, dass Plauen ebenfalls nur mit dünner Auswechselbank angereist war und mit zunehmender Spielzeit einen Gang herunterschaltete. Dadurch wurde die Begegnung nach dem Seitenwechsel ausgeglichener. Endstand: 28:8 für Plauen.
Es spielten: N. Hänisch, S. Hänisch, G. Brendler, G. Domschke, S. Förster, T. Fischer, J. Herzog, G. Jiji, R. Funk, V. Großmann
Abschlusstabelle:
Platz | Team | Spiele | Tore | Gegentore | Punkte | ||
1 | SWV Plauen | 16 | 329 | 145 | 45 | : | 3 |
2 | SV Zwickau II | 16 | 294 | 219 | 35 | : | 13 |
3 | SWV TuR Dresden II | 16 | 244 | 164 | 34 | : | 14 |
4 | SC DHfK Leipzig | 16 | 287 | 215 | 30 | : | 18 |
5 | SC Chemnitz | 16 | 256 | 225 | 21 | : | 27 |
6 | SV Halle II | 16 | 220 | 236 | 21 | : | 27 |
7 | SV Lok Görlitz | 16 | 222 | 272 | 18 | : | 30 |
8 | SG Auerbach/Netzschkau | 16 | 200 | 275 | 12 | : | 36 |
9 | SpVgg Dresden-Löbtau | 16 | 143 | 444 | 0 | : | 48 |
Saisonfazit:
Nachdem der SV Lok für einen Großteil der Saison den fünften Platz behaupten konnte, wurde er am Ende doch noch von den Teams aus Chemnitz und Halle überholt und muss sich knapp mit Platz 7 zufriedengeben. Das Minimalziel wurde damit dennoch erreicht. Für bessere Ergebnisse hätte man eine größere Personaldecke und mehr Trainingsfleiß gebraucht. Sinnbildlich dafür steht die konstante Inkonstanz auf der Position zwischen den Pfosten: Lok setzte (notgedrungen) vier verschiedene Torhüter ein, jeden davon für jeweils vier Spiele.
Obwohl es keine Absteiger aus der Liga gibt, wird Görlitz in der kommenden Saison nicht in der Oberliga vertreten sein. Angesichts der immer schwieriger werdenden Personalsituation innerhalb der Mannschaft hat der Verein nämlich entschieden, sich vorerst aus dem Ligabetrieb zurückzuziehen. Diese Abwesenheit soll aber nur von kurzer Dauer sein und nicht das Ende des Görlitzer Männerwasserballs bedeuten. Dank der guten Jugendarbeit wächst im Verein eine neue Generation von mittlerweile mehr als 50 Kindern und Jugendlichen heran. Die ältesten Jahrgänge werden in ein bis zwei Jahren auch im Männerbereich spielberechtigt sein. Dann ist die Rückkehr in die Oberliga geplant.
Bis dahin hält man sich im Erwachsenenbereich mit Einladungsturnieren fit. Im Juli steht die Teilnahme an den Traditionsturnieren in Spremberg und Großschönau an. Und am 31. Oktober veranstaltet der SV Lok Görlitz die 6. Auflage des Neiße-Cups im heimischen Neiße-Bad.
Bild zur Meldung: Wasserball Saisonfinale in der Oberliga Männer








